Ein Schritt weiter - unser Dialog
Schwerpunkte finden
Wir werden in einen Dialog über das Gesehene einsteigen. Die Schwerpunkte dafür sollten wir gemeinsam auswählen und festlegen. Ich werde ihnen dazu wichtige Aspekte meiner Beobachtungen mitteilen. Wir werden gemeinsam Gelungenes zum Ausdruck bringen und Möglichkeiten der weiteren Professionalisierung erörtern.
Hier einmal beispielhafte Gedanken als Grundlage der Schwerpunktsetzung aus meiner langjährigen Erfahrung. Dies ist keine abschließende Aufstellung. Es handelt sich vielmehr um Aspekte von Unterricht, die oftmals gewinnbringend in den Blick genommen wurden und werden. Die Nummerierung stellt keine Wertung dar.
Karten für den Dialog
01 Ziele & Kompetenzfokus
Klar erkennbar, was heute genau gelernt werden sollte. Das „Neue“ der Stunde wurde fachlich und fachdidaktisch plausibel herausgearbeitet.
➡️ Beispiele für Besonders gelungen: Zielklarheit für Lernende, Zielklarheit für die Lehrperson erbrachte Fokussierung in der Verhandlung und einen klar erkennbaren und benannten Lernzuwachs. Die angestrebten Kompetenzen waren am Lernprodukt gut ablesbar.
➡️ Beispiele für Ansätze zur Professionalisierung: Woran machen Sie selbst den Kompetenzzuwachs fest? Was war Ihre zentrale Idee hinter dieser Phasierung? Wie lässt sich der Kompetenzzuwachs noch expliziter sichtbar machen? Wie erfolgt eine Verbindung Ausgangswissen zum Lernzuwachs“? Könnte eine weitere Professionalisierung darin liegen, die Funktion einzelner Phasen noch expliziter und funktionaler an den Lernenden und Lernzielen auszurichten?
02 Struktur & Phasierung, Zeitökonomie & Zeitentscheidungen
Klare Stundenstruktur erkennbar. Die Ziele und die Vorgehensweise sind für die Lernenden transparent. Phasierung macht Lernende anfänglich handlungsfähig und später den Lernzuwachs sichtbar.
➡️ Beispiele für Besonders gelungen: Lernprozesse sind nachvollziehbar angelegt und verknüpft. Die Lernprogression wird vom Lernenden aus gedacht, nicht vom Wissenden. Die Lernenden sind aktiv beteiligt – durch Einzelarbeit oder Phasen des Austauschs, durch das Einbinden von Schülerbeiträgen in der Plenumsphase und durch gezieltes Nachfragen, das zum Denken angeregt hat.
➡️ Beispiele für Ansätze zur Professionalisierung: Wo könnte die Funktion einzelner Phasen noch angelegt oder expliziter genutzt werden? Welche zentralen Schwierigkeiten der Lernenden kann man nun im Rückblick für die Zukunft antizipieren und berücksichtigten? Wie bewusst wurden Zeitfenster gesetzt? Wo wurde Zeit investiert / eingespart – und warum?
03 Einbettung in die Reihe, Anschlusswissen & Vernetzung
Vernetzung zu vorangegangenen Stunden sichtbar, Anschluss an Vorwissen erkennbar und auch den Lernenden klar.
Ausblick auf Kommendes gegeben bzw. das Wissen oder die Fertigkeiten werden nun genutzt.
➡️ Beispiele für Besonders gelungen: Stunde steht nicht isoliert. Ein zentrales Konzept wurde begrifflich präzise erarbeitet bzw. vertiefend genutzt.
➡️ Beispiele für Ansätze zur Professionalisierung: Wo könnten bekanntes Wissen oder Anschlusswissen für kommende Stunden deutlicher markiert werden?
04 Gelenkstellen & Übergänge
Nach dem „Hinein“ sind Lernende nun selbstständig handlungsfähig. Beim Wechsel in die Erarbeitung des Lernproduktes sind Prozess- und Zieltransparenz gegeben.
Es gibt einen klaren „Zentralen Arbeitsauftrag“.
Das Hinaus ist eine sinnvolle Verbindung zwischen Arbeits- und Sicherungsphase. Es gibt eine strukturierende Matrix für die Präsentation.
➡️ Beispiele für Besonders gelungen: Lernweg wirkt schlüssig, ist zielführend, vernetzt
➡️ Beispiele für Ansätze zur Professionalisierung: Wie könnte eine Gelenkstelle noch stärker Transparenz erzeugen?
05 Materiallogik, Medieneinsatz
Materialien beinhalten mehrere Darstellungsformen (Texte, Visualisierung etc.) und bauen konsequent lerner- und lernproduktorientiert aufeinander auf.
Die gewählte Notation bzw. Matrix unterstützt den Denkweg und die Erstellung des Lernproduktes.
Medien, Experimente etc. werden funktional (und sicher) eingesetzt (falls relevant)
➡️ Beispiele für Besonders gelungen: Medien unterstützen die Intention. Material führt zielgerichtet zum Lernprodukt. Die Experimentierumgebung führt sicher zum Ergebnis. Die Visualisierung evoziert einen sprachlich aktiven Umgang mit einem Inahlt oder Gegenstand.
➡️ Beispiele für Ansätze zur Professionalisierung: Wo könnten digitale/analoge Alternativen den Lernprozess vertiefen? Welche alternativen Materialien/Darstellungen wären denkbar, um den Lernweg „leichter oder flüssiger“ zu gestalten? Ließen sich beispielsweise Wiederholungen oder Erläuterungen durch Bilder anstelle von Texten oder Sprachimpulse zielgerichteter einfordern?
06 Abstraktionsebenen
Ein Wechsel zwischen Alltagssprache und Fachsprache erfolgt.
Stoff-, Teilchen-, Symbol-/Formelebene sind verknüpft.
➡️ Beispiele für Besonders gelungen: Sie arbeiten verknüpfend mit mehreren Darstellungsebenen (z. B. Alltagssprache – Fachsprache, Stoffebene – Teilchenebene – Symbol-/Formelebene) und helfen den Lernenden, abstrakte Inhalte besser zu durchdringen. Erklären oder Erläutern werden dadurch möglich.
➡️ Beispiele für Ansätze zur Professionalisierung: Wie lässt sich „vom Einfachen zum Komplizierten“ noch bewusster anlegen?
07 Aufgabenformat
Die Aufgaben sind operationalisiert und lernproduktorientiert.
Sie dienen einer sinnvollen Steuerung des Lernprozesses.
➡️ Beispiele für Besonders gelungen: Aufgaben initiieren Denken, nicht nur Bearbeitung.
➡️ Beispiele für Ansätze zur Professionalisierung: Wo wäre mehr Offenheit / mehr Transfer möglich? Sind Kontext und Aufgabenstellung klar und ansprechend.
08 Differenzierung
Unterschiedliche Unterstützungsangebote sind sichtbar, eine zeitliche oder inhaltliche Differenzierung hält Angebote für viele Lernende bereit.
➡️ Beispiele für Besonders gelungen: Heterogenität wird berücksichtigt, viele Lernende finden zu ihrem bzw. dem Ziel. Die Angebote sind von Ihnen im Rahmen ihrer eigenen Ressourcen ökonomisch erstellt.
➡️ Beispiele für Ansätze zur Professionalisierung: Ließe sich Differenzierung noch systematischer aber zugleich machbar planen?
09 Unterstützung in Arbeitsphasen
Lehrkraft ist präsent, beobachtet, fragt nach
Lernende werden gezielt zur Auseinandersetzung angeregt
➡️ Beispiele für Besonders gelungen: Lernbegleitung bedeutet soviel Instruktion, dass Konstruktion möglich ist.
➡️ Beispiele für Ansätze zur Professionalisierung: Wo sollte ich mich bewusster zurücknehmen, wo sollte ich stärker als Wissende/r unterstützen?
10 Diskursive Phasen, Lernprodukt & Sicherung, Metareflexion der Lernenden
Lernprodukt logisch aus dem Prozess entwickelt.
Diskussion des Lernprodukts ist ertragreich hinsichtlich Diagnostik, Lernen, Sicherung macht Lernertrag sichtbar.
➡️ Beispiele für Besonders gelungen: Lernen wird greifbar und offensichtlich. Es gibt ein diskursives Lernprodukt, in der Diskussion erfolgt eine Offenbarung des Neuen, ein weiteres Lernen oder auch eine Diagnose von noch nicht Verstandenem.
➡️ Beispiele für Ansätze zur Professionalisierung: Wie könnte das Lernprodukt noch stärker zur Reflexion genutzt werden? Wussten die Lernenden, wie sie gelernt haben? Gab es kurze Reflexionsmomente („Was war heute neu / schwierig?“)?
11 Begriffliche Klarheit, Sprachsensibilität
Zentrales Konzept fachlich präzise erarbeitet
Wechsel zwischen Alltagssprache und Fachsprache
➡️ Beispiele für Besonders gelungen: Begriffe tragen den Lernprozess, Fachsprache präzise, aber lernendennah, Fehler sprachlich wertschätzend aufgegriffen, Sprache unterstützt Denken
➡️ Beispiele für Ansätze zur Professionalisierung: Wo könnten Begriffe noch stärker funktional genutzt werden? Wo wären sprachliche Gerüste hilfreich?
12 Moderation & Gesprächsführung, Umgang mit Äußerungen, Rückmeldung & Feedback
Beiträge werden aufgegriffen, vernetzt, präzisiert
Fachlich präzise, wertschätzend moderiert
➡️ Beispiele für Besonders gelungen: Diskursive Lernatmosphäre. Feedback wirkt lernförderlich. Sie haben Gelingendes explizit gemacht und bei Unsicherheiten oder Fehlvorstellungen gezielt nachgefragt bzw. klärende Impulse gegeben
➡️ Beispiele für Ansätze zur Professionalisierung: Wie können noch mehr Lernende aktiv in die Aushandlung kommen? Wann wollen Sie sich bewusst zurücknehmen, wann stark strukturierend eingreifen? An welchen Stellen könnten Sie Ihre Überlegungen zum Umgang mit Störungen, zur Aktivierung „ruhiger“ Schülerinnen und Schüler oder zur Ermutigung unsicherer Lernender erweitern?
13 Diagnostische Aufmerksamkeit, Umgang mit Fehlern
Lernprodukte werden gezielt genutzt. Fehlvorstellungen werden wahrgenommen und aufgegriffen, Fehler als Lernchance behandelt.
➡️ Beispiele für Besonders gelungen: Lehrkraft „liest“ Lernprozesse. Sie haben Gelungenes explizit gemacht und bei Unsicherheiten oder Fehlvorstellungen gezielt nachgefragt bzw. klärende Impulse gegeben
➡️ Beispiele für Ansätze zur Professionalisierung: Welche Beobachtungskriterien könnten vorab explizit festgelegt werden? Wie ließen sich Lernprodukte systematischer auswerten, um Rückschlüsse auf Kompetenzentwicklung, Fehlvorstellungen und nächste Schritte zu ziehen?
14 Classroom-Management, emotionale Lernseite, Lernatmosphäre auch jenseits von Ordnung
Ruhig, klar, präventiv, zugewandt, reversibel wo möglich. Sie haben die Menschen im Blick. Sie sind sensibel für Störungen und ordnen Situationen schnell ein. Sie hören zu und können auch ihren Standpunkt revidieren, wenn dies berechtigt ist. Ein Verhalten kann stören, nicht der Mensch. Erwartungen an Verhalten sind transparent.
Sicherheitsaspekte (falls Experiment vorkam) sind klar ermöglichen einen verantwortungsvollen Umgang mit den Materialien und Geräten.
➡️ Beispiele für Besonders gelungen: Lernzeit wird gesichert. Anwalt/Anwältin der Lernenden. Die Menschen im Blick. Ihr Auftreten ist geprägt von zutrauen und bewirkt Motivation und Frustrationstoleranz.
➡️ Beispiele für Ansätze zur Professionalisierung: Welche Routinen könnten weiter stabilisiert werden?
15 Wirksamkeit der grundlegenden didaktisch-methodischen Überlegungen
Ein gewähltes Basismodell war passend und hat einen klaren Lernfortschritt in einem roten Faden über viele Progressionsstufen hinweg ermöglicht. Der Unterricht war problemorientiert vom Lernenden aus gedacht. Der gewählte Kontext war tragfähig. Der gewählte Gegenstand war gut legitimiert und erwies sich als bedeutsam. Die Methode passte zum Gegenstand und Inhalt und hat für die notwendige Schüleraktivität an den entscheidenden Stellen des Lernens gesorgt.
➡️ Beispiele für Besonders gelungen: Die Lehrkraft gestaltet auf dem Wissen um das zugrundeliegende Basismodell „Lernen aus Eigenerfahrung“ bereits den Einstieg dahingehend zielführend, dass anstelle von bewusster Hypothesenbildung nur eine grobe Verortung erfolgt durch die Vorgabe oder Erarbeitung eines Handlungsplans erfolgt. Der Kontext ermöglichte den Lernenden eine Verortung des Fachinhalts.
➡️ Beispielhafte Ansätze zur Professionalisierung:
Wie kann ich sicherstellen, dass Inhalte, die eine Vorbedingung brauchen auch wirklich erarbeitet werden können. Ließe sich der Fokus auf den gewählten Gegenstand noch stärker fokussieren und würde dies eine Veränderung in der Anlage der Stunde bedeuten? Welche alternative Methode hätte genutzt werden können?
Raum für weiteres Wichtiges
Was erachten Sie zudem als besprechenswert?

