Daten sehen heißt noch nicht verstehen
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Es gibt viele Arten von Diagrammen.1
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Im Unterricht, aber auch wenn wir privat online oder analog stöbern, treffen wir auf Diagramme unterschiedlichster Art: manchmal erkennen wir sie sofort als solche, manchmal sind sie in Infografiken, Werbeanzeigen oder Social-Media-Beiträgen eher subtil eingebettet.
Ein Diagramm ist grundsätzlich eine Form der Darstellung von Daten oder Zusammenhängen.
Um Aussagen daraus ableiten, sie einordnen oder kritisch bewerten zu können, muss man lernen, sie systematisch zu lesen und zu verstehen.
Achte genau auf den Operator in der Aufgabenstellung (z. B. beschreiben, erklären, erläutern, interpretieren, analysieren oder bewerten), denn er legt fest, wie tiefgehend du mit dem Diagramm arbeiten und was genau du leisten sollst.
Ein Diagramme beschreiben
Schritt 1 – Überblick gewinnen
- Wie lautet der Titel?
- Wer ist die Quelle, der Urheber oder die Autorin?
- Wann wurden die Daten erhoben?
- Worum geht es grundsätzlich?
Das Diagramm zeigt …
Dargestellt wird … in Abhängigkeit von …
Schritt 2: Äußeren Aufbau beschreiben
Diagrammtyp nennen (Liniendiagramm, Balkendiagramm, Kreisdiagramm, etc. …)
Achsen beschreiben (bei x-y-Diagrammen)
- x-Achse: Beschriftung, Einheit, Wertebereich
- y-Achse: Beschriftung, Einheit, Wertebereich
- Schrittweite oder Besonderheiten
Die x-Achse zeigt … in …
Die y-Achse stellt … dar.
Der Wertebereich reicht von … bis …
Schritt 3: Innere Darstellung erfassen
Beispiele:
- Anzahl der Kurven/Balken
- Farben und Linienarten
- Legende
- Prozent oder absolute Werte
Es sind zwei Kurven dargestellt.
Die blaue Linie steht für …
Die Werte sind in Prozent angegeben.
Schritt 4: Verlauf wiedergeben
Jetzt beschreibst du die Entwicklung, ohne sie zu erklären. Gehe systematisch vor:
- Anfang, Entwicklung, Ende, markante Punkte
- Falls mehrere Kurven vorhanden sind, notiere Folgendes
- Im Vergleich zu … liegt … höher.
- Während … steigt, sinkt …
- schneiden sich bei …
Geeignete Verben: steigt, sinkt, bleibt konstant, schwankt, erreicht ein Maximum / Minimum
Zu Beginn steigt der Wert …
Anschließend sinkt er …
Im Jahr … wird ein Maximum erreicht.
🚫 Was gehört NICHT zur Beschreibung?
Es reicht, wenn du das Diagramm hier beschreibst. Daher gilt hier:
- Keine Ursachen („weil …“)
- Keine Deutungen („das bedeutet …“)
- Keine Bewertungen („problematisch ist …“)
Abschlusscheck

Erklären oder erläutern ist weitergehend
Beschreiben ...
Das machst Du wie oben und spätestens bei Schritt 4 …
fachliche Zusammenhänge herstellen
… bringst du zusätzlich dein Fachwissen ein.
Dies lässt sich dadurch erklären, dass …
Ursache hierfür ist …
Der Anstieg hängt damit zusammen, dass …
Aufgrund von … nimmt der Wert zu/ab.
Auf Teilchenebene bedeutet dies …
Beobachtung nennen:
Zwischen 0 und 5 Minuten steigt der pH-Wert stark an.
Fachlich erklären:
Dies ist darauf zurückzuführen, dass Hydroxid-Ionen entstehen, wodurch die Lösung basischer wird.
Mitunter zusätzlich gefordert: interpretieren oder bewerten
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Beim Interpretieren setzt du beim Beschreiben und Erklärung an, gehst aber noch darüber hinaus. Du leitest aus den Daten übergeordnete Aussagen, Konsequenzen oder Zusammenhänge ab.
- Was bedeuten die dargestellten Ergebnisse?
- Welche Schlussfolgerungen lassen sich ziehen?
Beim Bewerten beurteilst du die Aussage des Diagramms anhand fachlicher Kriterien.
Ist die Darstellung sachgerecht? Sind die Schlussfolgerungen tragfähig? Gibt es mögliche Verzerrungen?
Zentrale Aussage herausarbeiten
- Welche Haupttendenz ist erkennbar?
- Welche Entwicklung ist besonders bedeutsam?
- Welche Aussage wird durch das Diagramm nahegelegt?
- Insgesamt zeigt sich, dass …
- Als Haupttendenz lässt sich erkennen, dass …
- Die Daten legen nahe, dass …
- Daraus kann geschlossen werden, dass …
Deine Erläuterung beruht auf deiner Beschreibung. Die musst du also vorher geleistet haben.
Fachlich einordnen
- Passt das Ergebnis zu bekannten Modellen?
- Entspricht es theoretischen Erwartungen?
- Gibt es alternative Erklärungen?
- Ist die Aussage verallgemeinerbar?
⚖ Kritisch prüfen (Bewertung)
- Achsenskalierung sinnvoll gewählt?
- Wurden relevante Daten weggelassen?
- Prozent oder absolute Zahlen?
- Ist der Zeitraum angemessen?
- Sind Ursache und Wirkung sauber getrennt?
- Ist die Darstellung objektiv oder suggestiv?
- Könnte die Skalierung einen falschen Eindruck erzeugen?
- Reichen die Daten für diese Schlussfolgerung aus?
- Welche Informationen fehlen?
- Die Aussagekraft des Diagramms ist begrenzt, da …
- Kritisch ist zu betrachten, dass …
- Die gewählte Skalierung führt dazu, dass …
- Die dargestellten Daten erlauben (keine) eindeutigen Schlussfolgerungen.
- Für eine fundierte Bewertung wären zusätzliche Informationen notwendig.
- Zentrale Aussage formulieren: Das Diagramm verdeutlicht einen deutlichen Anstieg der Reaktionsgeschwindigkeit mit zunehmender Temperatur.
- Einordnen: Dies steht im Einklang mit der RGT-Regel.
- Bewerten: Allerdings ist der dargestellte Temperaturbereich begrenzt, sodass keine Aussage über Extrembedingungen getroffen werden kann
Aufgabe zur Übung
Analysieren Sie das vorliegende Diagramm zum pH-Wert der Plaque nach einer normalen Mahlzeit, indem Sie
- das Diagramm formal korrekt beschreiben,
- die dargestellten Prozesse mithilfe fachlicher Kenntnisse erläutern
- und die Aussagekraft und fachliche Angemessenheit der Darstellung bewerten. Achten Sie hierzu insbesondere auf
-
- die Verwendung des Begriffs „neutral“,
- die Zeitdarstellung im Diagramm,
- die fachliche Plausibilität der dargestellten Zusammenhänge.
Musterlösung
Die Musterlösung wurde mit Unterstützung durch ChatGT 5.2 erstellt. Grundlage waren neben unserer Darstellung des Diagramms und der Vorgehensweise oben noch folgende Aufsätze:
- Epple, M., & Enax, J. (2018). Moderne Zahnpflege aus chemischer Sicht. Chemie in unserer Zeit, 52(4), 218–228. https://doi.org/10.1002/ciuz.201800796
- Wlotzka, P. (2018). Kariesrisiko und Speicheldiagnostik. Unterricht Chemie, 166, 46–48.
Bei der dargestellten Musterlösung handelt es sich um eine von uns überarbeitet Version.
Das vorliegende Diagramm stellt den Verlauf des pH-Wertes der Plaque im Mund nach einer normalen Mahlzeit dar und vergleicht zwei Situationen: mit Speichelstimulation durch zuckerfreien Kaugummi und ohne Speichelstimulation. Es handelt sich um ein Liniendiagramm mit zwei Kurven. Auf der vertikalen Achse ist der pH-Wert im Bereich von etwa 3,5 bis 7,5 dargestellt. Zusätzlich ist eine Linie bei pH 5,5 eingezeichnet. Die horizontale Achse zeigt die Zeit nach der Mahlzeit; jedoch wird lediglich eine Markierung bei fünf Minuten angegeben, ohne dass eine fortlaufende, gleichmäßig skalierte Zeitachse dargestellt ist.
Nach der Mahlzeit fällt der pH-Wert in beiden Fällen zunächst deutlich ab und erreicht nach wenigen Minuten ein Minimum. Ohne Speichelstimulation verbleibt der pH-Wert länger im unteren Bereich. Mit zuckerfreiem Kaugummi steigt der pH-Wert hingegen schneller wieder an und überschreitet den Bereich oberhalb von 5,5 früher.
Der anfängliche pH-Abfall lässt sich dadurch erklären, dass Bakterien in der Plaque Zucker zu organischen Säuren, insbesondere Milchsäure, abbauen. Dadurch erhöht sich die Konzentration an Oxoniumionen, und der pH-Wert sinkt. Wird der kritische pH-Wert von etwa 5,5 unterschritten, beginnt die Demineralisation des Zahnschmelzes. Der Zahnschmelz besteht überwiegend aus Hydroxylapatit, dessen Löslichkeitsgleichgewicht sich unter sauren Bedingungen auf die Seite der gelösten Ionen verschiebt. Dabei werden Calcium- und Phosphationen aus dem Kristallgitter gelöst.
Speichel erfüllt mehrere wichtige Funktionen. Er wirkt als Pufferlösung, insbesondere durch das Kohlensäure-Hydrogencarbonat-System, und kann Säuren neutralisieren. Zudem enthält Speichel Calcium- und Phosphationen und ist bei neutralem pH-Wert gegenüber Hydroxylapatit übersättigt, sodass Remineralisation möglich ist. Durch Kauen wird der Speichelfluss gesteigert, was die Neutralisation beschleunigt und die Remineralisation unterstützt.
Die Darstellung weist jedoch auch kritische Aspekte auf. Der Begriff „neutraler Bereich“ wird im Diagramm offenbar für den Bereich oberhalb von pH 5,5 verwendet. Chemisch korrekt ist jedoch nur pH 7 als neutral zu bezeichnen. Werte zwischen 5,5 und 7 sind weiterhin sauer, wenn auch weniger stark.
Ein weiterer Kritikpunkt betrifft die Zeitdarstellung. Es wird lediglich eine einzelne Zeitmarke („5 Minuten“) angegeben. Eine fortlaufende Skala fehlt. Dadurch ist nicht eindeutig erkennbar, wie lange sich der pH-Wert im kritischen Bereich befindet. Gerade die Dauer der Unterschreitung von pH 5,5 ist jedoch entscheidend für das Kariesrisiko. Ohne genaue Zeitangaben bleibt die quantitative Aussagekraft eingeschränkt.
Zudem fehlen Angaben zur Datengrundlage, zu Messpunkten oder zur Streuung. Die Kurven erscheinen stark geglättet und idealisiert. Dadurch entsteht der Eindruck einer klaren und eindeutigen Wirkung, obwohl individuelle Unterschiede im Speichelfluss und in der Zusammensetzung der Mundflora eine Rolle spielen können.
Insgesamt ist die Grundtendenz der Darstellung fachlich plausibel: Speichelstimulation kann den pH-Wert schneller anheben und damit die Zeit im kritischen Bereich verkürzen. Die Grafik eignet sich gut zur Veranschaulichung. Ihre Aussagekraft ist jedoch aufgrund vereinfachter Begriffsverwendung, fehlender Zeitachse und nicht dargestellter Datenbasis eingeschränkt.
Übung für die Sekundarstufe 2
Zur Einordnung des Diagramms
Die Grafik ist eine von uns gezeichnete eigene Darstellung. Sie ähnelt Abbildungen, wie sie in Werbungen für Zahnpflegekaugummis2 oder in Informationsmaterialien für Patientinnen und Patienten3 verwendet werden.
Solche Darstellungen sollen anschaulich zeigen, wie sich der pH-Wert im Mund nach dem Essen verändert und wie Kaugummikauen den Speichelfluss beeinflussen kann.
Wichtig für deine Analyse:
Die Grafik ist kein originales Messprotokoll mit echten Datenpunkten, sondern eine modellhafte Darstellung. Deine Aufgabe ist es daher nicht nur, den Verlauf fachlich zu beschreiben, sondern auch kritisch zu prüfen, wie verständlich, korrekt und aussagekräftig die Darstellung ist.
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Ein Diagramm zur Wirkung von zuckerfreien Zahnpflegekaugummis.4





